Noch mehr Tipps für die Pflege von Streuobstpflanzungen



Durchlüftung

Durchlüftung des Geländes reduziert die Blattfeuchte in den Obstbäumen nach Regenfällen schneller, dadurch tritt weniger Schorfbefall an Blättern und Früchten auf. => Luftschneisen in Hecken einschneiden (z.B. dort, wo Obstbäume hinter der Hecke stehen)


Waldrand

Auch Obstbäume, die zu dicht am Waldrand, neben großen Laubbäumen oder an Hecken stehen, tendieren zu stärkerem Schorfbefall aufgrund geringerer Durchlüftung (längere Dauerfeuchte nach Regenfällen). Daher => Waldgehölze in unmittelbarer Nähe von Obstbäumen etwas zurücknehmen


Frostabfluss

An hangabwärts stehenden dichten Hecken staut sich im Winter/Frühjahr leichter die Frostluft und kann während der Obstblüte Frostschäden verursachen. Deshalb => In hangabwärts stehende Hecken Tore zum Abfließen des Froststaus einschneiden


Baumschnitt

Ein gut durchlüfteter Kronenaufbau trägt ebenfalls zu einem etwas geringeren Schorf- (und sonstigem Pilz-) Befall bei.


Wasserversorgung

In Jahren mit niedrigen Frühjahrsniederschlägen kann es auf sandigen Böden oder wind- bzw. stark sonnenausgesetzten Standorten durchaus mal zu Wassermangel für die Obstbäume kommen. Besonders wichtig ist eine Wasserversorgung in den Monaten (April-) Mai bis Juli, da kann Mangel zur Beeinträchtigung der gesamten Baumentwicklung kommen. Wassermangel im August/Sept. kann zwar die Fruchtgröße vermindern, aber hat weniger Einfluss auf die Baumvitalität als solcher. Daher => Bei längerer Trockenheit im Frühjahr wenn möglich gezielt wässern


Nistkästen

Sehr empfehlenswert ist das Aufhängen von Nistkästen für Blau- und Kohlmeisen. Diese vertilgen im Frühjahr eine Menge Eier und Raupen von Obstbaumschädlingen. Die Kästen (Einflugloch ca. 28 mm für Blaumeisen, 32 mm für Kohlmeisen) sollten optimalerweise mit der Öffnung nach Osten ausgerichtet sein und etwas halbschattig hängen. Auch Kästen für Eulen / Käuze sind (zum Kurzhalten von Mäusen) empfehlenswert.


Vogelfütterung

Vogelfütterung im Sommer ist etwas umstritten und bei Ökologen leicht verpönt. Wird sind allerdings überzeugt, dass eine dauerhafte Fütterung helfen kann, die zunehmenden Fraßschäden am Obst zu reduzieren, wenn das angebotene Futter (z.B. die bekannten Meisenknödel und anderes Körnerfutter) attraktiver ist als die Früchte der Natur. Durch die zunehmend ausgeräumte Landschaft in Landwirtschaft und sterilen Vorgärten haben Vögel heute definitiv größere Probleme bei der Futterbeschaffung. Daneben sind Futterstellen auch eine interessante Beobachtungsstelle!


Greifvogelstützen

Empfehlenswert sind in jedem Fall Greifvogelstützen, damit Mäusebussarde nicht die Obstbäume als Ansitzwarte benutzen und an jungen Obstbäumen die Kronenspitzen ausbrechen! Die Stangen sollten die Obstbäume etwas überragen, das Sitzholz oben quer sollte idealerweise ein Naturholz sein, keine Dachlatte o.ä., sondern eher ein kleiner Ast o.ä.


Steinhaufen für Mauswiesel etc.

Steinhaufen sind gute Rückzugsorte für Mauswiesel, die dort ihre Erdnester anlegen. Sie helfen genau wie Bussarde beim Kurzhalten von Feld- und Wühlmäusen.


Sonstige Nützlingsförderung

Sonstige Möglichkeiten der Nützlingsförderung sind z.B.

  • Blühstreifen in der Wiese belassen (d.h. nicht alle Flächen gleichzeitig mähen)
  • Spezielle Nistmöglichkeiten für Wildbienen und Wildhummeln etc. (es gibt ein breites Angebot zu kaufen, man kann das aber auch selbst basteln, aus Bohrungen in Holzstücken sowie mit Bambusrohr, Stroh etc.), vorzugsweise an sonnigen Plätzen (Südseite von Mauern oder Bäumen, oder auch freistehend).
  • Wasserstellen mit Flachwasserbereich (für Vögel, aber auch für Insekten attraktiv)
  • Wellpapperinge um die Stämme der Bäume (gut z.B. für Ohrwürmer u.a.), diese siehe auch unter „Maßnahmen gegen Apfelwickler“

Wühlmäuse

Können überall da zum Problem werden, wo wenig Umbruch und Störung passiert, z.B. in Brachflächen. Vorbeugend sollten Baumscheiben an den Bäumen von Grasbewuchs freigehalten werden. Regelmäßige Mahd, regelmäßiges Begehen und sonstige „Störungen“ wirken Wühlmäusen etwas entgegen.

Keinesfalls sollten die Baumscheiben ganzjährig mit Mulchmaterial abgedeckt werden, denn das Material wärmt den Boden und zieht Mäuse geradezu an! Mulchmaterial darf allenfalls in den Wachstumsmonaten Mai/Juni auf der Baumscheibe bleiben (zur Unterdrückung von Graskonkurrenz, später – insbesondere zum Winter – sollte es besser entfernt werden.

Umstritten sind Ablenkungs-Pflanzungen für Wühlmäuse, z.B. Streifen mit Topinambur o.ä. Unklar ist, ob sie die Wühlmäuse von den Bäumen weglocken, oder ob im Gegenteil dadurch insgesamt mehr Mäuse zur Obstanlage hingelockt werden. Ähnliches wird über das Tolerieren von Löwenzahn in Obstanlagen diskutiert. Während Obstbauern das z.T. generell ablehnen (um nicht die Wühlmäuse anzulocken), halten sich nach meinem Eindruck die Wühlmausschäden in meiner Obstanlage etwas mehr in Grenzen, seit sich in den Fahrgassen (von selbst) Löwenzahn angesiedelt hat.


Schorfpilz auf Früchten oder Blättern der Obstbäume

Eine konsequente Bekämpfung von Schorf in einer nur extensiv genutzten Obstanlage ist nicht sinnvoll, weil ein sehr hoher Aufwand getrieben werden müsste, um bei empfindlichen Sorten gute Erfolge zu erzielen (Obstbauern spritzen jährlich 25-30x gegen Schorf).

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Keine schorfanfälligen Sorten pflanzen
  • Für eine gute Durchlüftung des Standortes sorgen (Abstand zum Wald, Heckenfenster)
  • Für eine gute Durchlüftung innerhalb der Bäume sorgen (Baumschnitt)

Obstbaumkrebs

Diese Pilzerkrankung, die bei Apfel und Birne vorkommt, hat vor allem mit schweren bzw. staunassen Böden zu tun, außerdem mit der genetisch veranlagten Empfindlichkeit einer Sorte gegenüber Obstbaumkrebs.

Daher gelten die Vorsorgemaßnahmen:

  • Staunässe, Senken etc. vermeiden
  • auf schweren Böden nur Sorten pflanzen, die wenig anfällig sind
  • im Falle von auftretendem Obstbaumkrebs ggf. nachträglich den Boden lockern, Kompost und Sand in den Boden einbringen (bessere Sauerstoffversorgung der Wurzeln).

Mehltau

Mehltau spielt vor allem in warmen bzw. Weinbaulagen eine Rolle, bzw. tritt vor allem in besonders warmen Frühjahren auf. Eine direkte Bekämpfung/Vorbeugung mit Pflanzenschutzmitteln wäre – wie beim Schorf – zu aufwändig und ist im privaten Bereich kaum lohnend.

  • Vorbeugend sollten an gefährdeten Standorten wenig anfällige Sorten gepflanzt werden
  • Bei Befall sollten befallene Triebe herausgeschnitten werden.

Kirschfruchtfliege (Kirschmade)

Im Kirschanbau ist die Kirschfruchtfliege – bei spät reifenden Sorten – das Hauptproblem. Im konventionellen Obstbau wird mit Insektiziden bis 2 Wochen vor der Ernte gespritzt.

An Vorbeugung und biologischen Methoden kann man folgendes beachten:

  • Frühreifende Sorten pflanzen (bis 3. Kirschwoche) => besonders zu empfehlen! Optimal sind Sorten der 3. Kirschwoche, da dann der Vogelfraß geringer als bei den ganz frühen ist.
  • Gelbe Leimtafeln (die erwachsene Fliege „steht“ auf Gelb, legt normalerweise ihre Eier in die noch gelbe Frucht), nur begrenzt erfolgreich
  • Hühnerauslauf unter den Bäumen reduziert den Befall erheblich
  • im Mai den Boden unter den Kirschbäumen mit Folie abstecken, damit die schlüpfenden Fliegen nicht aus dem Boden können
  • Spritzungen mit Nematoden auf den Boden haben sich nicht als wirklich effektiv erwiesen
  • Abernten der Bäume, auch der befallenen Früchte (und Verwertung oder Vernichtung) reduzieren den Befall im Folgejahr, da sich weniger Maden auf dem Boden verpuppen.

Apfelwickler (Obstmade)

Der Apfelwickler, ein kleiner unscheinbarer brauner Nachtfalter, stellt im Streuobst- und Gartenanbau von Äpfeln (und Birnen) das größte Problem dar. Die Falter begatten sich in den ersten warmen Frühjahrsnächten (i.d.R. ab Mitte Mai). Die Weibchen legen dann (je nach Witterung) 8-10 Tage später ihre Eier auf den Früchten ab, wo kurz darauf die kleinen Raupen schlüpfen und sich in die Äpfel einbohren. Die ersten betroffenen Früchte fallen (meist so ab Juni) herab, woraufhin die Maden die Frucht verlassen und am nächsten Baumstamm emporkriechen, wo sie sich hinter Rindenschuppen oder sonstigen Ritzen verpuppen und nach einigen Wochen als Falter schlüpfen (noch im Lauf des Sommers). Diese zweite Generation legt dann ihrerseits nach der Begattung wieder Eier auf die (nun schon in der Erntereife befindlichen!) Früchte ab, für den Obstbesitzer besonders ärgerlich.

Eine Bekämpfung mit Insektiziden – wie im konventionellen Erwerbsobstbau – ist im Selbstversorger-Obstbau nicht sinnvoll bzw. erfordert ein sehr gezieltes (terminlich exakt durchzuführendes) Handeln, um Erfolg zu haben.

Alternativ stehen mehr oder weniger erfolgreiche biologische Stategien zur Verfügung, die in Aufwand und Erfolg unterschiedlich effektiv sind.

  • eine einfach durchzuführend Maßnahme – allerdings nur mit begrenzter Wirkung – ist das Anbringen von Wellpappegürteln um die Stämme der Apfel- und Birnbäume ab ca. Mitte Mai. Diese – in senkrechter Röhrenrichtung angebrachten – Gürtel bieten den am Stamm empor kriechenden Maden ein gutes Versteck zum Verpuppen. Alle 3-4 Wochen nimmt man die Pappen vorsichtig ab und vernichtet die Maden (oder verbrennt die Pappe) und bringt einen neuen Gürtel an. Dies kann bis zum Spätherbst erfolgen. Nützlinge, die sich ebenfalls hinter der Pappe sammeln, entlässt man in die Freiheit. In Anlagen mit alten Obstbäumen ist diese Maßnahme weit effektiver (dort sammeln sich manchmal 50 Maden in einer Pappe!) als in einer Anlage mit ausschließlich jungen, noch kleinen Bäumen.

  • alternativ kann man auch sog. ‚Pheromon-Fallen’ in den Obstbäumen anbringen. Diese bestehen aus einer Lockstoff-Tablette, die die Männchen des Apfelwicklers anlockt, einer weißen Leimtafel (auf der sie dann kleben bleiben) sowie einem „Häuschen“, in das beides versteckt wird, damit nicht andere Insekten bzw. Nützlinge die weiße Leimtafel anfliegen. Für eine Saison benötigt man (wegen der begrenzten Wirkdauer) 2 Lockstoff-Tabletten. Die „Häuschen“ werden von den Produktanbietern relativ teuer verkauft, diese könnte man sich auch selbst bauen. Entscheidend ist der Lockstoff in Verbindung mit einer Klebetafel. Die Wirkung dieser Fallen ist jedoch auch begrenzt, da bereits befruchtete Weibchen auch von außen in die Anlage zufliegen können. Für das Kronenvolumen großer alter Apfelbäume sind für eine effektive Bekämpfung 2 Pheromonfallen nötig.

Im Obstbau geht man daher deutlich weiter: Hier werden Pheromonfallen nur verwendet, um den Zeitpunkt des Falterfluges tag-genau festzustellen. Die Zahl der gefangenen Männchen wird täglich protokolliert. Nach jedem Flughöhepunkt (in besonders warmen Nächten) wird ca. 8-10 Tage später eine Spritzung durchgeführt – im konventionellen Obstbau mit chemischen Insektiziden, im biologischen Anbau mit einem Viruspräparat (‚Madex’), das nur auf Apfelwickler wirkt, die frisch schlüpfenden Räupchen erkranken lässt und ihr Einbohren in den Apfel stoppt. Diese Maßnahme ist sehr effektiv, erfordert jedoch Erfahrung und ein terminlich exaktes Vorgehen. Im Selbstversorgerbereich ist wohl eher eine Kombination der beiden erstgenannten Maßnahmen praktikabel.


Dein Ansprechpartner:

Hans-Joachim Bannier
Dornberger Str.197, 33619 Bielefeld
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