Schutzmaßnahmen gegen Baumschäden durch Sonnenbrand


In der alten Literatur findet man immer wieder Hinweise auf die Gefahr von Frostrissen im Winter (wenn bei -10° C gleichzeitig die Sonne scheint und die Stämme auf der Südseite erwärmt). Dem hat man durch Weißanstriche mit Kalkfarbe vorzubeugen versucht (da die weiße Farbe das Sonnenlicht reflektiert und somit der Stamm sich sonnenseitig nicht so stark erwärmt.

Ein absolut neuartiges Phänomen sind dagegen die Sonnenbrandschäden an unseren Obstbäumen und vor allem auch an unseren Alleebäumen. Die sind grundsätzlich auf der Südwestseite der Stämme zu sehen (aufgeplatzte Rinde, Schwarzfärbung, Rauhrindigkeit u.a.). Desgleichen treten seit ca. 20 Jahren auch immer stärker Brandschäden auf Äpfeln, Quitten oder auch Beerenobstfrüchten auf - ebenfalls immer südwestseitig. Im Anhang habe ich euch eine Kollektion Bilder geschädigter Alleebaum-Stämme sowie von Früchten und Blättern von Obstbäumen zusammengestellt, auf welchen drastische Schäden zu sehen sind. Wie gesagt, hier geht es nicht um Frost- sondern um neuartige Sonnenbrandschäden.

Ich betreibe seit 1988 Obstbau in Bielefeld, und Sonnenbrandschäden sind bei mir am 15.Juli 2006 erstmals aufgetaucht und haben 1/5 der Apfelernte zerstört. Seitdem habe ich alle 2 Jahre solche Schäden, besonders schlimm Ende August 2016 (da sind an sonnenexponierten Ästen außerdem massenweise Blätter verbrannt!).

Von solchen Schäden ist in der alten Literatur nichts annähernd vergleichbares zu finden, obwohl es heiße Tage auch im 19.Jahrhundert schon gegeben hat. Daher müssen wir davon ausgehen, dass diese Schäden noch andere Ursachen haben als nur die heiße Temperatur - z.B. höhere Ozonbelastung oder Ähnliches.

Sicher aber ist: Gegen diese neuen menschengemachten klimatischen Veränderungen ist die Selbstregulation des Systems Laubbaum nicht mehr generell ausreichend gewappnet. Der Solitärbaum schützt zwar seinen Stamm, indem er ihn mit tief ansetzenden Seitenästen beschattet - aber gegen die Sonnenbrand- bzw. Ozonschäden wie im August 2016 können sich auch Solitärbäume nicht wirklich wehren. Und Alleebäume (wenn wir auf die nicht gänzlich verzichten wollen) haben nun mal hohe Stämme, die nicht wie ein Solitärbaum beastet sind.

Gärtnerisch können und sollten wir daher insbesondere bei Hochstämmen und Alleebäumen versuchen, schützend zu reagieren:

  • Beschattung von Stämmen (z.B. Pfahl auf Süd- bzw. Südwestseite, ggf. auch andere Beschattungsmaterialien)
  • Begrünung von Stämmen mit beschattenden Kurztrieben (Stammaustriebe nicht entfernen, sondern auf 1-3 Augen einkürzen; von den daraus wachsenden Neutrieben alle langen entfernen, alle kurzen stehenlassen)
  • Kalken oder Lehmanstrich (beides wirkt kühlend)
  • ausreichende Wasserzufuhr bei längerer Trockenheit; reichlich Kompost auf die Baumscheiben (längere Wasserspeicherung)
  • junge Obstbäume in derselben Himmelsrichtung pflanzen, in der sie auch in der Baumschule gestanden haben (zu erkennen an der Ausrichtung der Okulationsveredlung am Fuß des Baumes: das Edelauge wurde in der Baumschule immer gegen den Wind, also nach Südwesten okuliert)

Gleichzeitig zeigen uns diese Schäden eindringlich, dass unser Planet und seine Natur vollkommen überlastet ist und dass wir - politisch sowie im eigenen privaten Konsumverhalten - unsere gesamte Lebens- und Wirtschaftsweise auf den Prüfstand stellen müssen. Wer dagegen aktiv sein will, sollte nicht nur Stämme vor Sonnenbrandschäden schützen, sondern auch - auf welche Weise auch immer - politisch aktiv werden.



1. Sonnenbrand Straßenbaum Dresden, 2. Sonnenbrand auf Blättern, 3. Sonnenbrand auf Früchten, 4. Sonnenbrand auf Früchten 5. Sonnenbrand Apfelblätter, 6. Sonnenbrand auf Früchten, 7. Sonnenbrand auf Rhododendron, 8. Verbrannte Apfelblätter (Alle Fotos: Hans-Joachim Bannier)


Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an:

Hans-Joachim Bannier
Obst-Arboretum Olderdissen
Dornberger Str.197
33619 Bielefeld
alte-apfelsorten@web.de
www.obstbaumschnittschule.de/obst-arboretum-bielefeld